Murgangschutz

Allgemeine Anwendung

Bauwerke zur Steuerung eines kontrollierten Abflusses von Murgängen und Schlammströmen werden schon seit Jahrzehnten weltweit eingesetzt. Typischerweise sind dies starre Bauwerke wie Wildbachsperren, Ablenkbermen oder Dämme, Auffang- und Rückhaltebecken oder Murbrecher und Murrechen. Oft werden Kombinationen aus verschiedenen Systemen installiert, um die zerstörerische Kraft eines Murgangereignisses unter Kontrolle zu bekommen, indem man die Geschwindigkeit und das Erosionspotenzial reduziert. Immer häufiger werden flexible Netzsysteme verwendet, um den Murschub zu stoppen und das Murmaterial zu entwässern.

Murgang Barrieren – auch häufig als Runsennetz oder Rinnenverbau bezeichnet – werden üblicherweise in Gerinnen oder Bachläufen rechtwinklig zur Fließrichtung eingebaut. Ein einfaches Runsennetz ohne Stützen ist meist ausreichend bei geringen Spannweiten (z.T. bis 15 m); bei breiteren Gerinnen oder offeneren Hangsituationen werden zudem Netzsysteme in Kombination mit Stützen und eingesetzt.

Im Gegensatz zu standardisierten Richtlinien für die Bemessung und den Einsatz von Steinschlagschutzzäunen gibt es fast keine Vorgaben für flexible Murbarrieren. Die wenigen bestehenden Richtlinien gründen alle auf den Konstruktionskriterien von starren Bauwerken und sind somit nicht vollkommen übertragbar. Standardisierte Test-Vorgaben gibt es nicht. Teilweise beruht dies auf der Komplexität, Murereignissen reproduzierbar mit einem Testaufbau zu erzeugen, sowie auf der Tatsache, dass jede Murbarriere basierend auf stark gelände- und situationsabhängigen Parametern konstruiert werden muss, die einen stärkeren Einfluß besitzen als bei der Bemessung von Steinschlagschutzzäunen.

Bemessungsparameter

Jedes System wird auf den Basisinformationen über die physikalischen Materialeigenschaften, der geometrischen Verhältnisse und des potenziellen Murereignisses berechnet und entworfen. Diese unerlässlichen Informationen werden von einem Projektingenieur oder Geotechniker vor Ort erhoben und dienen als Grundlage für eine technisch richtige und sichere Lösung. Einige der maßgeblichen Bemessungsparameter sind:

Standorteigenschaften

  • Gerinnequerschnitt
  • Hang-/Gerinneneigung
  • Ufer-/Randbedingungen
  • Abstand zum zu schützenden Objekt

Eigenschaften Ereignis

  • Murgeschwindigkeit
  • Dichte Murmaterial
  • Kornverteilung Murmaterial
  • Wassergehalt Murmaterial
  • Anzahl Murschübe
  • Fließhöhe

Dynamische, verteilte Last

  • Muhrdruck
  • Murstromhöhe
  • Ablauf Murschübe
  • Lastverteilung (Dreieck-, Trapezlast, etc.)

Dynamische Punktlast

  • Masse Einzelblock
  • Blockgeometrie
  • Blockgeschwindigkeit

Statische Last (gefülltes Bauwerk)

  • Erddruck
  • Füllhöhe
  • Lastverteilung (Dreieck-, Trapezlast, etc.)
  • Lastszenario beim Überfließen